Podiumsdiskussion: „Can Artists Change China?“

Seit der weltbekannte Künstler und Aktivist Ai Weiwei am 3. April 2011 von der chinesischen Polizei inhaftiert wurde, gibt es weltweit Proteste von Kunstinstitutionen, Menschenrechtsorganisationen und Regierungen, die seine Freilassung fordern. Am 16. Juni 2011 findet an der Leuphana Universität Lüneburg eine vielseitige Veranstaltung rund um die Verhaftung Ai Weiweis statt. Sie beleuchtet die Menschenrechtssituation in China sowie die Frage, welche Rolle KünstlerInnen grundsätzlich bei einer sozialen Transformation Chinas spielen können.

Zum ersten Mal in Europa wird dabei der 18-minütige  Dokumentarfilmzusammenschnitt „Who’s Afraid of Ai Wei Wei?“ von Alison Klayman gezeigt, die den Künstler von 2008 bis 2010 in seinem alltäglichen Leben begleitete.

Dem Film geht eine Pressekonferenz der Internationalen Vereinigung der Ligen für Menschenrechte, FIDH sowie ein Vortrag über künstlerische Initiativen für Ökologie und Nachhaltigkeit im zeitgenössischen China voraus.

Im Anschluss an den Film findet eine Podiumsdiskussion mit bedeutenden Persönlichkeiten aus Menschenrechts- und Kunstorganisationen statt. Neben dem Ausstellungsmacher Roger M. Buergel, werden auch der Menschenrechtsaktivist David Knaute und die Konzeptkünstlerin Anke Haarmann teilnehmen. Moderiert wird die Diskussion von der Politikwissenschaftlerin und Journalistin Ursula Scheid sowie von Volker Kirchberg, welcher das Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste (IKKK) an der Leuphana Universität leitet.

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion:

Roger M. Buergel (geb. 1960 in Berlin) gilt als einer der besten Kenner von Ai Weiweis künstlerischem Werk. Er studierte Kunst, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften in Wien und ist als Ausstellungsmacher und Autor tätig. Im Kunstraum der Leuphana Universität realisierte Buergel in den Jahren von 1997 bis 2004 gemeinsam mit Ruth Noack eine Reihe von Ausstellungen, darunter „Die Regierung“, die sich auf Michel Foucaults Gouvernementalitätstheorie stützte. Roger M. Buergel war Leiter der documenta 12 in Kassel (2007), zu der auch Ai Weiwei von ihm eingeladen wurde. 2008 wurde Buergel zum Direktor des Miami Art Museum in Florida berufen, trat diese Position aber nicht an. In den letzten Jahren lehrte er an der Kunsthochschule in Karlsruhe.2010 kuratierte Roger M. Buergel eine Ausstellung der Arbeiten von Ai Wewei im neuen DKM Museum in Duisburg.

David Knaute ist der Asien-Direktor der Internationalen Vereinigung der Ligen für Menschenrechte (FIDH). Als solcher arbeitet er eng mit der FIDH Mitgliedsorganisation in China, Human Rights in China (HRIC), zu-sammen, die im Exil aus New York City tätig ist. In seiner bisherigen Menschenrechtsarbeit hat Knaute bereits vielseitige Erfahrungen mit Konflikten in den Ländern Asiens gesammelt.

Anke Haarmann ist eine Konzeptkünstlerin, Kuratorin, Doktorin der Philosophie und lehrt und forscht derzeit am IKKK der Leuphana Universität Lüneburg. Seit dem Jahr 2004 war sie im Zuge ihrer wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeit viele Male in China und Japan tätig. In ihren neueren Arbeiten konzentriert sich Anke Haarmann vor allem auf den öffentlichen Stadtraum und künstlerische Interventionen. In Zusammen-arbeit mit chinesischen und deutschen Künstlern hat sie in den Jahren 2008 und 2010 mehrere Ausstellungen in Shanghai geplant, von denen letztere jedoch aufgrund des Drucks der lokalen Behörden abgesagt werden musste, sodass die Ausstellung kurzerhand in den öffentlichen Raum verlagert wurde.

Moderation:

Ursula Scheid studierte Politische Wissenschaft mit Schwerpunkt China an der LMU München, besuchte die Deutsche Journalistenschule (DJS) und arbeitete als freie Autorin. 2003 absolvierte sie ein Gaststudium an der HFF München (Hochschule für Fernsehen und Film). Ihr erster langer Dokumentarfilm ist ein Essay über die neue Bourgeoise in China. Während ihres vierjährigen Beijing-Aufenthaltes lernt sie Ai Weiwei kennen und begleitet ihn und sein documenta-Projekt Fairytale filmisch.

Volker Kirchberg ist Direktor des IKKK der Leuphana Universität Lüneburg Lüneburg. Er ist Professor für Kulturvermittlung und -organisation im Studiengang Angewandte Kulturwissenschaften und Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur Kultur und Stadtsoziologie an der Schnittstelle des Non-Profit-Sektors, Marktes und des Staat. Seine aktuellen Forschungen umfassen Untersuchungen zu Museumsbe-suchern (z.B. das „eMotion „-Projekt), Kultur-Nutzung und die Beziehungen zwischen Kreativität und Stadt-entwicklung.

Teilnahme der FIDH:

Die Internationale Vereinigung der Ligen für Menschenrechte (FIDH) wird an der Veranstaltung teilnehmen. Neben David Knaute (siehe oben) ist auch der ständige Vertreter der FIDH bei der Vereinigung Südostasia-tischer Nationen (ASEAN), Shiwei Ye, anwesend. Er koordiniert Aktionen mit FIDH-Mitgliedsorganisationen in Südostasien und besitzt demnach vielseitige Erfahrungen in der Menschenrechtsarbeit in China-Projekten.

Der Vortrag:

Ab 19.45 Uhr führt Sacha Kagan in dem Vortrag “Engagements of Contemporary Artists for Sustainability” in das Thema der Veranstaltung ein. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der IKKK der Leuphana Universität Lüneburg. Der Schwerpunkt seiner Forschung und kulturellen Arbeit liegt in den transdisziplinären Bereichen rund um „Kunst und (Un-)Nachhaltigkeit“. Sacha Kagan ist zudem Mitbegründer von Cultura21 und der Gründer der internationalen Ebene des Netzwerks sowie der Internationale Künste & Wissenschaften Som-meruniversität für Nachhaltigkeit in sozialer Transformation (ASSiST). In den vergangenen Jahren umfassten seine Arbeiten auch mehrere Projekte des kulturellen, asiatisch-europäischen Austauschs, einschließlich einer Konferenz der Asia Europe Foundation in Peking im Jahr 2008.

Der Film:


Bei der gezeigten 18-minütigen Version des Films handelt es sich um einen Zusammenschnitt des kommenden abendfüllenden Dokumentarfilms „Ai Weiwei: Never Sorry: Can an artist change China?“ Die in Peking ansässige Journalistin und Filmemacherin gewann in der Zeit von 2008 bis 2010 einen beispi ellosen Zugang zu Ai Weiwei und dokumentierte sein künstlerisches und privates Leben – insbesondere seine zunehmenden öffentlichen Auseinandersetzungen mit der chinesischen Regierung. Klaymans detailliertes Porträt des Künstlers stellt eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen China und einer faszinierenden Künstlerpersönlichkeit dar.

Kontakt:

Kontakte

Veranstalter: Sacha Kagan (Leuphana Universität Lüneburg)

E-Mail: kagan(at)uni.leuphana.de; Tel.: 01785441789.

Presseanfragen (Event): Ronja Röckemann (Cultura21)

E-Mail: ronja_roeckemann(at)hotmail.com; Tel.: 01608035165.

Presseanfragen (FIDH-Pressekonferenz): David Knaute (FIDH)

E-Mail: dknaute(at)fidh.org.

Die Veranstalter:

Diese Veranstaltung wird von Cultura21 und verschiedenen Abteilungen der Leuphana Universität Lüneburg organisiert: darunter das Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste (IKKK), der Kunstraum der Leuphana Universität und die Studenteninitiative AStA-UniKino. Die Veranstaltung findet zudem in Partner-schaft mit der Internationalen Vereinigung der Ligen für Menschenrechte (FIDH) statt.

Das Ziel des internationalen Vereins Cultura21 liegt in der Förderung eines so-zial-ökologischen Wandlungsprozesses hin zu „Kulturen der Nachhaltigkeit“. Der Verein wurde 2005 in Deutschland gegründet und besteht inzwischen aus einer Vielzahl von Cultura21-Organisationen auf der ganzen Welt. Das Netzwerk aus KünstlerInnen, Kulturschaffenden und WissenschaftlerInnen engagiert sich gemeinsam in „kultureller Feldarbeit“ für eine gesellschaftliche Verankerung der Gedanken nachhaltiger Entwicklung. Webseite: www.cultura21.net/de.

Die Leuphana Universität Lüneburg ist eine deutsche Universität, die sich den humanistischen Werten der freien Künste und Wissenschaften als Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben, erfolgreiche Karrieren und soziale Verantwortung in einer sich wandelnden globalen Gesellschaft verpflichtet. Die Lüneburger Universität hat ein in der deutschen Hochschullandschaft einzigartiges Uni-versitätsmodell eingeführt, das dem Leitmotiv „Universität für die Zivilgesell-schaft im 21. Jahrhundert“ folgt. Webseite: www.leuphana.de.

FIDH ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, welche es zum Ziel hat, die bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu verteidigen, die in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung festgelegt sind. Es ist eine föderalistische Bewegung, die durch und für seine nationalen Mitglieds- und Partnerorganisationen fungiert. In ständiger Interaktion mit der lokalen Zivilgesellschaft identifiziert FIDH lokale Hindernisse für die Arbeit von Menschenrechtsverteidigern sowie die notwendigen Schritte, um Unterstützung für diese zu mobilisieren. Webseite: www.fidh.org.

Der Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg ist eine Institution für zeit-genössische Kunst. Das Ausstellungsprogramm beruht auf der Kooperation von Künstler/inne, Kurator/innen und Wissenschaftler/innen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, deren Studierende eingeschlossen. Webseite: www.uni-lueneburg.de/interarchiv/projekte.html.

Unikino ist eine Studenteninitiative der Leuphana Universität Lüneburg, die wö-chentlich – häufig in Kooperation mit Seminaren, Kursen und anderen Interes-sengruppen – Filmvorführungen in der Universität organisiert. Diese dienen Un-terhaltungs- und Informationszwecken und finden innerhalb des Semesters re-gelmäßig am Montagabend statt.

Das Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste dient der auf die Kul-tur und die Künste bezogenen theoretischen wie empirischen Forschung, dem wissenschaftlichen und kulturellen Transfer sowie der Lehre auf diesen Gebieten aus geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Perspektiven. Das Institut ist in den folgenden Abteilungen gegliedert: Philosophie, Soziologie der Künste und Kultur, Marketing und Kommunikation sowie Literaturwissenschaft und Kulturgeschichte. Webseite: www.leuphana.de/ikkk.

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