{"id":4530,"date":"2011-10-05T01:10:12","date_gmt":"2011-10-05T01:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cultura21.net\/r%c3%bcckblick-cultura21-forum-die-kultivierung-von-%c3%b6kologien-g%c3%a4rten-und-komplexit%c3%a4t-in-landschaftlichen-und-urbanen-r%c3%a4umen"},"modified":"2014-01-13T11:45:48","modified_gmt":"2014-01-13T10:45:48","slug":"r%c3%bcckblick-cultura21-forum-die-kultivierung-von-%c3%b6kologien-g%c3%a4rten-und-komplexit%c3%a4t-in-landschaftlichen-und-urbanen-r%c3%a4umen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/c21news-de\/r%c3%bcckblick-cultura21-forum-die-kultivierung-von-%c3%b6kologien-g%c3%a4rten-und-komplexit%c3%a4t-in-landschaftlichen-und-urbanen-r%c3%a4umen\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Cultura21 Forum &#8211; &#8222;Die Kultivierung von \u00d6kologie(n): G\u00e4rten und Komplexit\u00e4t in landschaftlichen und urbanen R\u00e4umen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0067.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4534\" title=\"DSC_0067\" src=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0067-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0067-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0067.jpg 912w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>Der folgende Artikel wurde von Janna Gehrke verfasst. (Mehr \u00fcber die Autorin am Ende des Textes):<\/em><\/p>\n<p>Vom 23. bis zum 25. September 2011 fand zum ersten Mal das Cultura 21 Forum im Studio Kunst und Landschaft in Hude statt. Das Forum bildet den Auftakt f\u00fcr weitere Foren im j\u00e4hrlichen Rhythmus. In diesem Jahr widmete sich die Veranstaltung dem Leitthema: &#8222;Die Kultivierung von \u00d6kologie(n): G\u00e4rten und Komplexit\u00e4t in landschaftlichen und urbanen R\u00e4umen&#8220;. Sie schuf eine ideale Plattform f\u00fcr den Austausch zwischen Cultura21-Mitgliedern, Besuchern aus der Region und internationalen G\u00e4sten. Erkl\u00e4rtes Ziel des Forums war es, Netzwerke auszutauschen, Kunst und Nachhaltigkeit zu kombinieren und Interesse f\u00fcr das Thema G\u00e4rtnern zu wecken.<!--more--><\/p>\n<h2>Freitag<\/h2>\n<p>Einen stimmungsvollen Auftakt bot am Freitag Insa Winklers F\u00fchrung durch den Landschaftsgarten in der Abendsonne. Neben einem in wei\u00df gestalteten Garten und dem klassisch englischen Garten konnte auch ein mediterraner Garten sowie das Wildparterre, eine Wildkr\u00e4uterwiese, besichtigt werden. All diese Gartensch\u00e4tze erstrecken sich auf 7000m\u00b2 und sind durchzogen von Kunstobjekten. Darunter befinden sich zum Beispiel die von der Umweltk\u00fcnstlerin Insa Winkler so getauften \u201eTamagotchis\u201c; bepflanzte Kunstobjekte, die aufgrund des hohen Pflegebedarfs w\u00e4hrend einer Ausstellung in Hamburg zu ihrem Namen kamen.<\/p>\n<p>Eine Reihe namens Vegitabilibus bildet einen Blickfang des Gel\u00e4ndes. Ihr Entstehungsprozess l\u00e4sst sich auf die Auseinandersetzung der Umweltk\u00fcnstlerin Insa Winkler mit Albertus Magnus zur\u00fcckf\u00fchren, der festhielt: Die Wurzel ist der Mund der Pflanze. Das Ergebnis daraus sind Kunstwerke, die ohne Sockel gleichsam aus der Erde wachsen.<\/p>\n<p>Nach dieser Einf\u00fchrung gaben drei Referenten einen tieferen Einblick in das Thema, im Folgenden sollen die Kerninhalte zusammengefasst dargestellt werden:<\/p>\n<h3>\u201eGardens and aesthetics of sustainability\u201d (Sacha Kagan, Cultura21 Institut e.V., L\u00fcneburg)<\/h3>\n<p>G\u00e4rten k\u00f6nnen als Herangehensweise verstanden werden, um den Status von \u201eKulturen der Nachhaltigkeit\u201c zu erreichen. Sie bilden die Suche nach Modellen der Zivilisation und nach einem dynamischen Gleichgewicht ab. Nach Morin ergibt sich die Gelegenheit, Einheit und Vielfalt nebeneinander zu denken und sich nicht gegenseitig ausschlie\u00dfen zu lassen. Auch Unordnung kann vor Augen f\u00fchren, dass es gerade die Gegens\u00e4tze sind, die Sch\u00f6nheit ausmachen. Dies schafft eine intensive Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber den Komplexit\u00e4ten des Lebens.<\/p>\n<p>Nach Gilles Cl\u00e9ment ist die Natur in G\u00e4rten als kontinuierliche Verwandlung anzusehen. Drei grundlegende Ideen eines Gartens liegen seinen \u00dcberlegungen zu Grunde:<\/p>\n<ul>\n<li>Der <em>jardin en mouvement<\/em> als ehemals genutzer, aber vernachl\u00e4ssigter Garten, der nicht der st\u00e4ndigen Kontrolle unterworfen ist. Der Mensch beobachtet den Garten eher als dass er ihn aktiv gestaltet und stellt eine Balance her, sodass Vielfalt mit wenigen Mitteln vermehrt werden kann.<\/li>\n<li>Der Gedanke des <em>jardin plan\u00e9taire<\/em> sieht die ganze Welt als einen Garten und gibt dabei zu bedenken, dass die \u00f6kologischen Grenzen der Biosph\u00e4re erreicht sind und durch zunehmende Vermischung aufgrund von menschlichen Aktivit\u00e4ten sowohl positive als auch negative Effekte durch neue Gattungen entstehen k\u00f6nnen. Hierbei steht der Gedanke im Vordergrund, die Vielfalt des Gartens zu nutzen, ohne sie zu zerst\u00f6ren.<\/li>\n<li>Hinter <em>Tiers-Paysage<\/em> verbergen sich subtile, nicht interventionistische Interventionen, die Brachfl\u00e4chen sowie unbenutzte Fl\u00e4chen als allem\u00f6glichen R\u00e4ume f\u00fcr den Unentschlossenen, R\u00e4ume f\u00fcr die Zukunft. Die folgenden Worte von Abb\u00e9 Siey\u00e8s sind auch auf die dritte Landschaft \u00fcbertragbar: &#8222;Was ist der dritte Stand? &#8211; Alles. Was ist er bisher in der politischen Ordnung gewesen? &#8211; Nichts. Was verlangt er? Etwas zu werden.&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<h3>\u201e\u00dcber Urban Gardening\u201c (Dr. Christa M\u00fcller, Netzwerk Interkulturelle G\u00e4rten, Berlin\/M\u00fcnchen)<\/h3>\n<p>2007 lebten bereits mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Aus dieser Entwicklung heraus ist folgerichtig auch die R\u00fcckkehr der G\u00e4rten in den st\u00e4dtischen Raum und eine (Wieder-)Entdeckung der Lust am G\u00e4rtnern zu beobachten. Der Vormarsch der G\u00e4rten hat zwar nicht erst gestern eingesetzt, jedoch ger\u00e4t er heute zunehmend in das Interesse der medialen Aufmerksamkeit und f\u00fchrt so zu einem neuen Verst\u00e4ndnis von Urbanit\u00e4t, in dem sich Natur und Stadt nicht gegenseitig ausschlie\u00dfen, sondern G\u00e4rten zu einem Raum werden, in dem Natur und Soziales verschmelzen und f\u00fcr ein neues Bewusstsein bez\u00fcglich des Wertes von Zeit, Konsum und Gemeinschaft sorgen. Dies er\u00f6ffnet Chancen einer integrativen und Gemeinschaft schaffenden Wirkung des G\u00e4rtnerns in der Stadt. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die wachsende Beliebtheit des urbanen G\u00e4rtnerns lassen sich durch den Wunsch nach etwas sinnlich Erlebbaren und nach neuen Formen der Begegnung in Zeiten der zunehmenden Individualisierung, Virtualisierung und \u00d6konomisierung der Welt erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Stadt bildet so den idealen N\u00e4hrboden zur Probe neuer, nachhaltiger Sozialstrukturen und f\u00fchrt angesichts der drohenden, internationalen Nahrungsmittelkrise Alternativen vor Augen und befeuert die politische Diskussion, ob eine neue Welt nicht auch pflanzbar ist.<\/p>\n<h3>\u201eSustensive Gardens\u201c (Dr. Oleg Koefoed, Cultura21 Nordic, Kopenhagen)<\/h3>\n<p>Dekomposition und Detotalisation von Sicherheiten sorgen f\u00fcr eine st\u00e4ndige Transformation der Welt und ebnen den Weg f\u00fcr einen Ver\u00e4nderungsprozess. Dieser Prozess erzeugt ein Spannungsfeld, das die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Vielfalt an Formen umfasst, ohne diese dabei zu zerst\u00f6ren. Die M\u00f6glichkeiten werden so durch die Steigerung der Aufnahmef\u00e4higkeit f\u00fcr Komplexit\u00e4t erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Die Unvollkommenheit des Menschen l\u00e4dt geradezu ein zu offenen Prozessen, da wir uns immer mit Dingen verbinden m\u00fcssen, die au\u00dferhalb unseres Selbst liegen. F\u00fcr das G\u00e4rtnern bedeutet dies einen Schritt heraus aus dem Alltag, angetrieben von verschiedensten Kr\u00e4ften. Es werden sustensive R\u00e4ume gebildet, in denen Kreativit\u00e4t, historisches Wissen, Gemeinschaft und Partizipation ausgelebt werden k\u00f6nnen und zusammen die Grundlage eines alternativen Lebensstils formen. Hinzu kommt die M\u00f6glichkeit, eine Verbindung von Vergangenheit und Zukunft herzustellen, beispielsweise durch alte Pflanzensorten und seltene Gattungen.<\/p>\n<p>Gartenprojekte aus D\u00e4nemark dienen als Beispiele des Prozesses: Prags Have ist ein altes Fabrikgrundst\u00fcck, das sich nach und nach ver\u00e4ndert hat und durch die Nutzung an Attraktivit\u00e4t gewinnt. Inzwischen unterst\u00fctzt die Stadt Kopenhagen das Projekt und erm\u00f6glicht den B\u00fcrgern, dort beispielsweise ihr eigenes Gem\u00fcse anzubauen. Inzwischen existiert dort ebenfalls eine Gemeinschaftsk\u00fcche und sogar ein Konferenzraum in Form eines Caravans in den B\u00e4umen.<\/p>\n<p>Auch Amager Commons bildet ein Gebiet in Kopenhagen, das in letzter Zeit f\u00fcr Urban Gardening Projekte genutzt wird. Dies ist eine riesige Brachfl\u00e4che, die teilweise zur Stadtteilentwicklung der \u00d8restaden Kopenhagens genutzt wird. Somit entsteht ein Kampf zwischen Landschaft und Stadtentwicklung. Zumeist sind diese Gartenprojekte sehr verletzlich, da sie auf Unterst\u00fctzung und Investitionen angewiesen sind. Oftmals bleibt hier die politische Hemmung durch Gesetze st\u00e4rker.<\/p>\n<h2>Samstag<\/h2>\n<p>Der Sonnabend stand im Zeichen eines Workshops, der im Rahmen einer mobilen, alternativen Universit\u00e4t, der University of the Trees, von Shelley Sachs und Dr. Hildegard Kurt geleitet wurde. Dieses Netzwerk besch\u00e4ftigt sich mit der Frage: Was ist Wissen und woher wissen wir das? Es beruht auf der Grundlage, dass wir alle zugleich Studenten und Lehrer sind, aber dass auch die B\u00e4ume unsere Lehrer sind. Hier gilt es das schlafende Potential zu wecken, dass in jedem von uns steckt.<\/p>\n<p>Auf einem Rundgang durch den Garten, die Nachbarschaft und den nahegelegenen Wald galt es nun, sich auf die B\u00e4ume der Umgebung zu besinnen und mit B\u00e4ndern an diesen B\u00e4umen ein Bewusstheitsfeld zu schaffen, auf das anschlie\u00dfend eingegangen werden sollte. In der darauf folgenden Gruppenarbeit stand die Erde im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. In der Gruppe wurde der Bezug zur Erde hergestellt und somit das Bewusstsein f\u00fcr diese wertvolle Ressource gest\u00e4rkt. Durch die Anwendung der Methode des aktiven Zuh\u00f6rens wurde eine sehr angenehme Atmosph\u00e4re f\u00fcr Denkprozesse geschaffen, die Bewusstseinsbildung und Besinnung f\u00f6rderte.<\/p>\n<p>Am Nachmittag konnten erste Impulse f\u00fcr Diskussionen, die teilweise bereits am Freitag Abend aufgeworfen wurden, in Open Space Sitzungen aufgegriffen und vertieft werden. Dabei wurde beispielsweise auf folgende Themen n\u00e4her eingegangen: G\u00e4rten als Experimentierr\u00e4ume f\u00fcr nachhaltige Lebensstile, Reisen &#8211; Warum finden wir Landschaft sch\u00f6n? und Privatisierung. Durch die offene Gestaltung der Arbeitsmethode konnte hier verschiedenen Interessenbereichen nachgegangen werden.<\/p>\n<p>Abgerundet wurde der zweite Tag des Forums durch einen Guerilla Gardening Workshop von Rana \u00d6zt\u00fcrk. Das Besondere am Guerilla Gardening ist, dass \u00f6ffentliche R\u00e4ume wie Brachfl\u00e4chen durch gemeinschaftliche Pflanzaktionen aktiv versch\u00f6nert werden. Dies kann sowohl als unauff\u00e4lliges politisches Statement als auch als k\u00fcnstlerische Intervention ausgelegt werden. Es tr\u00e4gt zur Identit\u00e4tsbildung bei und wirkt Mangel und Verwahrlosung entgegen, indem es Brachfl\u00e4chen wieder belebt und teilweise auch zur Selbstversorgung beitr\u00e4gt. Nach einem ersten theoretischen Input \u00fcber die Geschichte und Entstehung der Guerilla Gardening Bewegung, die sich in den 1970er Jahren als Form politischen Widerstands entwickelte, wurde nun auch praktisch Hand angelegt. Samen wurden gesiebt und gemischt, sodass anschlie\u00dfend aktiv zur Versch\u00f6nerung des Dorfbildes beigetragen werden konnte. Die ersten Ergebnisse dieser Aussaataktion lassen sich hoffentlich bereits im Fr\u00fchjahr beobachten.<\/p>\n<p>Der Abend klang mit der Vorstellung verschiedener Garten- und Kunstprojekte im offenen Symposium sowie einem Beisammensein am Lagerfeuer aus.<\/p>\n<h2>Sonntag<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0069.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4537\" title=\"DSC_0069\" src=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0069-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0069-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/DSC_0069.jpg 912w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Am Sonntag stellte Nikos sein Engagement in Griechenland vor. Den Prinzipien des \u201eNatural Farmings\u201c folgend, umfasst dies unter anderem die Streuung von Samenbomben zur Verbesserung der Bodenqualit\u00e4t und die Begr\u00fcnung der Landschaft. Dadurch soll ein Rad der Ver\u00e4nderung ins Rollen gebracht werden, um langfristige Erfolge zu erzielen. Der richtige Weg wurde hier bereits eingeschlagen und erste Erfolge der lokal gut verankerten Initiative best\u00e4tigen die Hoffnung und das Engagement der Mitwirkenden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus machte auch Insa Winkler auf ihr Projekt der Artenvielfaltroute in W\u00fcsting aufmerksam, welches in Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft und der nahegelegenen Schule das lokale Bewusstsein f\u00fcr das, was sich vor der eigenen Haust\u00fcr abspielt, st\u00e4rken soll.<\/p>\n<p>Dr. Christa M\u00fcller gab abschlie\u00dfend f\u00fcr die externen G\u00e4ste eine Zusammenfassung der Inhalte des Wochenendes.<\/p>\n<p>Den Gastgebern, F\u00f6rderern und Mitwirkenden gilt es Dank auszusprechen f\u00fcr ein gelungenes erstes Cultura21 Forum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0Dieser R\u00fcckblick wurde von <strong>Janna Gehrke<\/strong> verfasst, die ab Mitte Oktober 2011 f\u00fcr sechs Monate Praktikantin bei Cultura21 sein wird. 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