{"id":1394,"date":"2006-10-05T13:58:48","date_gmt":"2006-10-05T13:58:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cultura21.net\/ausstellung-fischen-in-der-zeit-%e2%80%94-pescare-nel-tempo"},"modified":"2014-01-13T11:39:35","modified_gmt":"2014-01-13T10:39:35","slug":"ausstellung-fischen-in-der-zeit-%e2%80%94-pescare-nel-tempo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/themen\/arts-de\/ausstellung-fischen-in-der-zeit-%e2%80%94-pescare-nel-tempo\/","title":{"rendered":"Ausstellung: Fischen in der Zeit \u2014 Pescare nel tempo"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zeit:<\/strong> 2006<br \/>\n<strong>Ort:<\/strong> K\u00f6ln<br \/>\n<strong>Projektleitung:<\/strong> Davide Brocchi<br \/>\n<strong>Cultura21-Beteiligung:<\/strong> Kooperation<\/p>\n<p>Am 26. September 2006 wurde die Ausstellung mit dem Titel \u00bbFischen in der Zeit\/Pescare nel tempo\u00ab in einer K\u00f6lner Gesamtschule er\u00f6ffnet. Thema der Ausstellung war das ambivalente Verh\u00e4ltnis zwischen Menschen und Meer.<br \/>\n<em>von Davide Brocchi<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Davide Dutto<\/strong><\/p>\n<p>Einen Schwerpunkt der Ausstellung stellt die eindrucksvolle Reportage \u00fcber die alte und altert\u00fcmliche Art der Schwertfischerei um die sizilianische Hafenstadt Messina dar. Die Bilder Duttos, 1961 in\u00a0der N\u00e4he von Turin geboren, er\u00f6ffnen die M\u00f6glichkeit in das Geschehen dieser Tradition einzutauchen, die \u00fcber Jahrhunderte von Generation zu Generation \u00fcbertragen wurde. Heute ist diese Kultur vom Untergang bedroht.<\/p>\n<p><strong>Claus Dieter Geissler<\/strong><\/p>\n<p>Claus Dieter Geissler, aus dem Kunsthaus Rhenania und 1952 in Niedersachen geboren, pr\u00e4sentiert hingegen fotografische Stillleben aus Allt\u00e4glichkeiten und Treibgut, der \u00bbnatura morta\u00ab des Meeres. Seine 15 Palladium-Prints, in denen er dieses Edeldruckverfahren mit einer Kombination aus Fotogramm und Fotografie in Bildern inszeniert, zeigen Spuren der Zivilisation auf dem Meer. Der Blick konzentriert sich auf die schwimmenden Objekte, die zu Zeichen werden f\u00fcr die Bedeutung des Meeres, Ursprung allen Lebens, in der heutigen Kultur und ihren Umgang mit dem \u00f6kologischen Gleichgewicht.<\/p>\n<p>Zwei Fotografen aus zwei L\u00e4ndern, Italien und Deutschland, greifen nach der Geschichte des Meeres, beschreiben ein archaisches Handwerk oder fossile Fundst\u00fccke, versetzen den Betrachter in die Welt des Meeres und werden so zu \u00bbFischern in der Zeit\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Institut Italo Svevo<\/strong><\/p>\n<p>Das Institut in der K\u00f6lner City ist eine Gesamtschule, die neben einem einzigartigen p\u00e4dagogischen Konzept insbesondere Mehrsprachigkeit und Interkulturalit\u00e4t f\u00f6rdert. In diesem Rahmen hat das Institut Raum geschaffen f\u00fcr eine Kunstgalerie, die von dem 68elf-Forum junger Kunst und Cultura21 betrieben wird. Ziel der Kooperation ist die interkulturelle und \u00e4sthetische Sensibilisierung sowie die F\u00f6rderung der Kreativit\u00e4t der Sch\u00fcler.<br \/>\nCultura21 vernetzt Akteure aus Kultur, Zivilgesellschaft und Wirtschaft, die sich f\u00fcr eine St\u00e4rkung des Kulturbewusstseins und ein soziales und \u00f6kologisches Umdenken in der Gesellschaft einsetzen.<\/p>\n<p>Die Schirmherrschaft \u00fcber das Projekt hat das Italienische Kulturinstitut K\u00f6ln.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund: Die traditionelle Fischerei verschwindet<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"fischenboot.jpg\" src=\"http:\/\/www.cultura21.de\/netzwerk\/projekte\/img\/fischenboot.jpg\" alt=\"fischenboot.jpg\" width=\"158\" height=\"170\" \/>Die  Feluca ist ein kleines, besonderes Boot aus Holz. An dessen Bug  h\u00e4ngt  ein langer Steg, w\u00e4hrend in der Mitte ein langer Mast von mehr als  20  Meter H\u00f6he steht. Wer im Sommer auf der Stra\u00dfe entlang der Meerenge  von  Messina f\u00e4hrt, kann sicherlich einige von diesen Wasserfahrzeugen   sichten. In einem st\u00e4ndigen Hin und Zur\u00fcck befahren sie einen kleinen   Abschnitt des Meeres, beginnend mit den ersten Stunden des Morgengrauens   bis hin zum Sonnenuntergang. Die Felucas in dieser Meeresenge sind die   letzten \u00dcberlebenden einer Flotte, die einst\u00a0 \u00fcber dem ganzen   Tyrrhenischen Meer fuhr, um Thun- und Schwertfische zu fangen.<\/p>\n<p>Auf  dem Wasserfahrzeug  arbeiten zwei W\u00e4chter und ein Harpunier. Die ersten  beobachten das Meer  von der Spitze des Mastes, mit der Aufgabe, die  hellen Fische zu  sichten und es dem Harpunier zuzurufen. Nach einer  Sichtung eilt dieser  herbei und wirft von der Spitze des Steges die  Harpune auf die Beute.  Auf dem get\u00f6teten Fisch pr\u00e4gen die Fischer mit  den H\u00e4nden das Symbol  des Bootes oder der Familie ein. Danach k\u00fcssen sie  das Opfer, die  eroberte Beute. Dies ist die Tradition, die dem harten  Kampf zwischen  Mensch und Fisch \u2013 in weiterem Sinn also mit der Natur \u2013  folgt. Der  harte Kampf ist jedoch ein gleichwertiger Kampf, bei dem der  Mensch  nicht zwangsl\u00e4ufig als Sieger hervortritt. Es reicht eine  unvorsichtige  Steuerung des Bootes oder ein falscher Harpunenwurf, um  den Fisch  fl\u00fcchtig untergehen zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Das Meer und der Fang<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/dutto_messina2_kl1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1396\" title=\"dutto_messina2_kl1\" src=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/dutto_messina2_kl1.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/dutto_messina2_kl1.jpg 183w, https:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/dutto_messina2_kl1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a>Wenn  man an einer Treibfischerei mit der Feluca\u00a0teilnimmt, scheint  es, als  ob man in einen der vielen Romane vom Ende des XIX Jh. \u00fcber   Seemannsgeschichten katapultiert worden sei. Solche Romane beschreiben   eine Welt in der das Meer, einzige Existenzquelle und unberechenbarer   Feind zugleich, sowohl gef\u00fcrchtet als auch respektiert\u00a0war und den Kern   der faszinierenden Traditionen und der famili\u00e4ren Aberglauben   darstellte. Die Traditionen um die Feluca, unter anderem, sind nicht nur   auf die Fischerei bezogen, sondern auch auf die von den Fischern   genutzte Ausr\u00fcstung. Eine gute Harpune oder ein wirksamer K\u00f6der sind das   Werk von Handwerkern, die untereinander die Berufsgeheimnisse seit   Generationen weitergeben.<\/p>\n<p>Heute wird hingegen diese  au\u00dfergew\u00f6hnliche Ressource misshandelt und  ausgebeutet. Die Techniken  der traditionellen Fischerei gehen verloren,  um von viel profitableren  und weniger m\u00fchsamen Techniken ersetzt zu  werden. Dies passiert nicht  nur in Sizilien, sondern auf der ganzen  Welt.<br \/>\nDie Schleppnetze,  deren Maschen immer dichter werden, lassen jedem Tier  aller Art und  Gr\u00f6\u00dfe kein Entrinnen. Sie verursachen eine enorme  Verarmung des  Meeresgrundes und der Ressourcen der Fischwelt, die noch  vorhanden  sind. Die traditionellen Arten von Fischerei in Italien, wie  die  \u201eMattanza\u201c (Abschlachten von Thunfischen) oder die Feluca sind  hingegen  selektiv, obwohl sie blutig erscheinen. Dabei werden nur die   ausgewachsenen Fische bestimmter Fischarten gefangen. Und auch die  Gesetze vereinfachen nicht den Schutz der  Fischweltressourcen: f\u00fcr die  Fischer ist es lohnenswerter ab und zu  Strafgeld zu zahlen,als mit der  unrechtm\u00e4\u00dfigen Fischerei g\u00e4nzlich  aufzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Der moderne  Mensch steckt den Kopf in den Sand<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"fischenfisch.jpg\" src=\"http:\/\/www.cultura21.de\/netzwerk\/projekte\/img\/fischenfisch.jpg\" alt=\"fischenfisch.jpg\" width=\"158\" height=\"170\" \/> Am meisten beunruhigt  jedoch die Tatsache, dass das Meer nun  ausschlie\u00dflich als Profitquelle  oder als M\u00fcllkippe betrachtet wird.<\/p>\n<p>Der moderne Mensch betrachtet  sich als fortschrittlich und wie ein  Strau\u00df versteckt er den Kopf und  l\u00e4sst die k\u00fcnftigen Generationen allein  mit der L\u00f6sung des schwierigen \u2013  wenn nicht unm\u00f6glichen \u2013 Problems der  Ersch\u00f6pfung der Ressourcen, des  Klimawandels und der  Umweltverschmutzung. Die negativen Auswirkungen  jahrelanger,  r\u00fccksichtsloser Ausbeutung unserer Meere sind bereits  sichtbar: die  Fischereiindustrie steckt in der Krise und die Zahl der  Fischarten, die  ausgel\u00f6scht werden, w\u00e4chst st\u00e4ndig. 75% aller Best\u00e4nde  der  Meeresfischerei gelten laut FAO als ersch\u00f6pft und \u00fcberfischt.<br \/>\nEinzige Abhilfe f\u00fcr diesen kritischen Zustand ist die starke Begrenzung   der industriellen Fischerei, um eine Wiederbev\u00f6lkerung der Meere zu   erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde des Mittelmeeres sammeln die greifbaren  Zeichen der  priorit\u00e4ren Rolle, die dieses Meer in der Geschichte vieler  europ\u00e4ischer  Zivilisationen gehabt hat, die auf ihm gereist sind, die  es erforscht  haben, die auf ihm gek\u00e4mpft haben und von dem sie ihren  Lebensunterhalt  gewonnen haben und immer noch gewinnen.<\/p>\n<p>Der  Respekt und der Schutz, den ein Volk gegen\u00fcber dieser  Lebensquelle  zeigt, ist sicher ein klares Zeichen f\u00fcr dessen  Fortschritt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/projektauswertung_fischenzeit.pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/projektauswertung_fischenzeit.pdf\">Ausf\u00fchrliche Projektauswertung (PDF)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Projektsauswertung-Kurzfassung.pdf\">Projektsauswertung (Kurzfassung PDF, 70KB)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/200609PM_Photoausstellung_Koeln.pdf\">Pressemitteilungen (PDF, 88KB)<\/a><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ausstellungsdauer:<\/strong> 27. September bis 1. Oktober 2006<\/p>\n<p><strong>Ausstellungsort<\/strong><\/p>\n<p>68elf-Kunstraum am Institut Italo Svevo<br \/>\nGladbacher Wall 5 (N\u00e4he Hansaring\/Mediapark)<br \/>\n50670 K\u00f6ln<\/p>\n<p><strong>Projektkoordination<\/strong><\/p>\n<p>Davide Brocchi<br \/>\nDipl.-Soz.Wiss.<br \/>\nInstitut Cultura21 e.V.<br \/>\nE-Mail davide.brocchi (at ) cultura21.org<\/p>\n<p><!-- footer --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit: 2006 Ort: K\u00f6ln Projektleitung: Davide Brocchi Cultura21-Beteiligung: Kooperation Am 26. September 2006 wurde die Ausstellung mit dem Titel \u00bbFischen in der Zeit\/Pescare nel tempo\u00ab in einer K\u00f6lner Gesamtschule er\u00f6ffnet. 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