{"id":1340,"date":"2005-05-17T08:49:24","date_gmt":"2005-05-17T08:49:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cultura21.net\/ausstellung-kind-als-accessoire"},"modified":"2014-01-13T11:39:36","modified_gmt":"2014-01-13T10:39:36","slug":"ausstellung-kind-als-accessoire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/themen\/arts-de\/ausstellung-kind-als-accessoire\/","title":{"rendered":"Ausstellung: Kind als Accessoire?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/themen\/arts-de\/kind-als-accessoire\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1342 alignleft\" title=\"kind1\" src=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kind1.jpg\" alt=\"\" width=\"137\" height=\"133\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Zeit:<\/strong> 2005<br \/>\n<strong>Ort:<\/strong> D\u00fcsseldorf<br \/>\n<strong>Projektleitung:<\/strong> Gerald Biebersdorf<br \/>\n<strong>Cultura21-Beteiligung:<\/strong> Offener Kreis<\/p>\n<p>Kinder in der &#8222;heilen Welt&#8220; der Werbung<br \/>\n<em>von Gerald Biebersdorf, D\u00fcsseldorf<\/em><\/p>\n<p>Mein Haus, mein Auto, mein Boot &#8230; !<!--more--><\/p>\n<p>Die beiden, Polaroids auf den Tisch dreschenden, ehemaligen Schulkameraden aus der Sparkassenwerbung &#8211; die sich nach zwanzig Jahren wieder treffen und mit ihrem Erreichten br\u00fcsten &#8211; sind jedermann bekannt und spiegeln das Bewusstsein der 80er-90er Jahre wieder.<\/p>\n<p>In den k\u00fcrzeren Vergangenheit ist festzustellen (aus eigener Erfahrung wie auch in den Medien und der Werbung), dass sich dieser Slogan immer mehr um einen Aspekt erweitert hat: Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Kind &#8230; !<\/p>\n<p><strong>Kind wird zum Statussymbol<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kind2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1343\" title=\"kind2\" src=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kind2.jpg\" alt=\"\" width=\"137\" height=\"133\" \/><\/a>Das Kind wird scheinbar zum Objekt, zum Statussymbol, zum anzustrebenden Ziel, dass einfach zum Chick und zum guten Ton geh\u00f6rt wenn man heutzutage erfolgreich sein will. Hat man das nicht vollbracht, nicht geschafft, dann gilt man quasi als Versager.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass der passende Partner dabei gar nicht so wichtig, er ist nicht unbedingt n\u00f6tig. Aber &#8211; man braucht unbedingt ein Kind. Bei einer n\u00e4heren Untersuchung der derzeitigen Medienberichterstattung, wird dieses Ph\u00e4nomen sofort augenscheinlich. W\u00e4hrend z. B. f\u00fcr ein Fotomodell fr\u00fcher ein Kind fast immer ein Karrierekiller war, ist es heute geradezu eine zwingende Notwendigkeit, ein Kind zu haben, wenn man auf der Erfolgsleiter ganz weit oben stehen will. Die Kinder werden dann auch gleich mir der eigenen Karriere in gewinnbringender Weise vermarktet.<\/p>\n<p><strong>Kinderwunsch und Mutterbild<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal scheint es sogar, als ob man sich f\u00fcr den Kinderwunsch einfach die n\u00f6tigen &#8222;guten&#8220; Gene besorgt. Berichte \u00fcber Trennungen von Prominenten noch w\u00e4hrend der Schwangerschaft ohne ein Wort des Bedauerns oder gar einer Tr\u00e4ne, lassen diese Vermutung zu.<br \/>\nIn der Werbung, unter den Topmodels, bei anderen Prominenten wie auch an den K\u00f6nigsh\u00e4usern ist ein wahrer Baby-Boom ausgebrochen. In der Werbung werden zur Zeit alle Motive in diese Richtung umgem\u00fcnzt wobei man nat\u00fcrlich oder gerade auch vor dem Inbegriff des Mutterbildes &#8211; der Mariendarstellung &#8211; nicht Halt macht. Angesichts dieser Vorbilder ist es eigentlich erstaunlich, dass die Geburtenzahlen immer noch zur\u00fcck-gehen.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es in der Arbeit?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kind3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1344\" title=\"kind3\" src=\"http:\/\/www.cultura21.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kind3.jpg\" alt=\"\" width=\"138\" height=\"133\" \/><\/a>Es geht in meiner Arbeit um Ph\u00e4nomene des gesellschaftlichen Wandels in der heutigen schnelllebigen Zeit. Hier speziell um die Frage der Motivation des Kinderwunsches. Ich versuche, diese Ph\u00e4nomene aufzugreifen und mich dabei eben der\u00a0 Mittel zu bedienen, die diese Ph\u00e4nomene erzeugen, um sie dadurch m\u00f6glicherweise entlarven zu k\u00f6nnen. Ich will also keine direkte Aussage treffen, sondern Bilder erzeugen, die wie Werbung scheinen, sich also der Bildsprache der Werbung bedienen und erst auf den zweiten Blick St\u00f6rungen dieser vermeintlich heilen Welt entdecken lassen. Dabei ist nicht der Fotograf der Inszenator, sondern die Eltern, die in ihren jeweiligen Rollen stecken und diese voll ausf\u00fcllen. Der Fotograf ist nur der Beobachter der Situation, welche er best\u00e4rkt und nat\u00fcrlich durch die Bildgestaltung verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>In meiner Arbeit entwerfe ich sehr streng konstruierte Motive, die an sich schon die K\u00fchle und Distanz unterstreichen sollen. Hier bleibt wenig Freiraum f\u00fcr eine freie Entfaltung, nicht nur der des Kindes. Im besten Fall entsteht die Aussage: Das Kind merkt es noch, die Eltern schon nicht mehr.<\/p>\n<p>Vielleicht ahnen sie noch etwas. Im Hinterkopf ist dabei z. B. immer die Designkritik der 50er, 60er und 70er Jahre in den Filmen von Jaques Tati, die bahnbrechenden Ideen zu neuen (normierten) Wohnformen eines Le Corbusier zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hervorgebracht hat, oder auch die Zukunftsromane von Samjatin (1920), Huxley (1932) oder Orwell (1949), die ja selbst der heutigen Zeit\u00a0 Zeit noch weit voraus sind.<\/p>\n<p><strong>Die Arbeit selbst<\/strong><\/p>\n<p>Um die Aussage der eher profanen Bilder zu verst\u00e4rken, lege ich die vier Motive im Triptychon-Format an, das im Verlauf der Kunstgeschichte eine sehr starke Wandlung durchgemacht hat und dennoch immer auch auf seine urspr\u00fcngliche Bedeutung als Altarretabel zur\u00fcckweist.<\/p>\n<p>In der Regel beinhaltet hier die mittlere Darstellung die wichtigste Bedeutung, die sich bei meiner Arbeit allerdings verschieden auslegen l\u00e4sst. Ist das Kind im Mittelpunkt, das Leiden, oder die Eltern, die das Kind in die Richtung dr\u00e4ngen, wo sie es hinhaben wollen, bewusst oder auch unbewusst.<\/p>\n<p>Rechts und links finden sich die Beigaben, die Accessoires, die sich der Mitte zuwenden oder auch im Gegenteil, sich davon abwenden &#8211; denn, wie schon oben angesprochen: Die &#8222;heilige&#8220; Mitte gibt es jetzt nicht mehr, die absolute Vollkommenheit (oder Wahrheit, oder Hinwendung). Diese kann sich jetzt auch in den Seitenfl\u00fcgeln zeigen.<br \/>\nDie religi\u00f6sen Darstellungen auf den christlichen Retabeln wurden im Laufe der Zeit immer st\u00e4rker durch weltliche oder gar profane ersetzt. Dennoch ist das Leiden Christi bis in die heutige Zeit immer wieder ein Thema des Triptychons, nicht zuletzt durch die letzten gro\u00dfen Kriege. Das Triptychon-Format kann hier also ideal dazu beitragen, die Bildaussage zu verst\u00e4rken. Die Werbe\u00e4sthetik wird durch die Aufladung und Sakralisierung ad absurdum gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong><br \/>\nGerald Biebersdorf<br \/>\nMail: gerald.biebersdorf (at) t-online.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit: 2005 Ort: D\u00fcsseldorf Projektleitung: Gerald Biebersdorf Cultura21-Beteiligung: Offener Kreis Kinder in der &#8222;heilen Welt&#8220; der Werbung von Gerald Biebersdorf, D\u00fcsseldorf Mein Haus, mein Auto, mein Boot &#8230; !<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[115,107,113],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1340"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1340"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1340\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cultura21.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}