Postkoloniale Kunstperformance in Hamburgs Lettow-Vorbeck-Kaserne


Hamburg
9. Dezember 2011

Am 9.12.2011 fand anlässlich des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit die Begehung Kasernenechos: Widerstand und Widerhall in in der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Jenfeld statt. Hamburg ist seit 2010 Partnerstadt der größten Stadt Tansanias: Dar es Salaam.
Etwa 40 Menschen fanden sich zu einer performativen Begehung in 14 Szenen zusammen. Mit der gemeinsamen Kunstaktion von Tansaniern und Deutschen wollte die  Initiative freedom roads! als Veranstalter kritisch an den deutschen  Kolonialismus erinnern, den Widerstand der afrikanischen Bevölkerung würdigen und den verantwortungsvollen Umgang der Stadt mit ihrem kolonialen Erbe einfordern.
Hintergrund der Aktion ist die Tatsache, das heute immer noch Häuser nach Kriegs- und Kolonialverbrechern benannt sind. Auch der Unmut im Streit um den Tansania Park, dessen Gestaltung und erinnerungskulturelles Konzept fragwürdig erscheinen, legte einen weiteren Grundstein für die Aktion. Die Künstlerin H.M.Jokinen  bezeichnet das derzeitige Exposé als unangemessen und eurozentrisch.
Während der künstlerischen Intervention wurde der „Kleine Exerzierplatz“ von den Teilnehmern symbolisch in „Mohamed-Husen-Platz“ umbenannt. Dies geschah in Erinnerung an den Kindersoldaten der deutschen „Schutztruppe“ in Ostafrika, der später in Deutschland von den NS-Rassisten im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Performance von der Polizei unterbrochen, welche den Veranstaltern eine Strafanzeige androhte.

Mehr über die Proteste zum Umgang mit der Kolonialvergangenheit: www.afrika-hamburg.de/proteste.html

Auf der Seite der Initiative freedom roads! gibt es weitere Informationen zu der Umbenennung von Straßen mit kolonialen Straßennamen sowie zur postkolonialen Erinnerungskultur: http://www.freedom-roads.de/index.htm

Kontakt:   info [at] freedom-roads [dot] de