Konzept

Der Begriff der sozial-ökologischen Entwicklung (Sustainability) drückt dabei die enge Verbindung zwischen Frieden, Gerechtigkeit, Toleranz, Demokratie, Lebensqualität, kultureller und biologischer Vielfalt aus.

Kulturelle Dimension

Cultura21 interessiert sich vor allem für die kulturelle Dimension der gesellschaftlichen Entwicklung. Medien, Künste, Bildung, Wissenschaft, Kommunikations- und Organisationsformen sowie menschliche Emotionen sind fundamentale Faktoren des gesellschaftlichen Wandels. Diese Plattform richtet deshalb ihre Aktivitäten sowohl an die Konzeption als auch an die praktische Umsetzung von kulturellen Strategien für den sozial-ökologischen Wandel.

Mit diesem Ziel vernetzt Cultura21 Personen und Organisationen, indem es ihnen einen gemeinsamen Interaktionsraum anbietet. Während das Netzwerk den intra- und interkulturellen Wissenstransfer, die spartenübergreifende Synergiebildung und eine neue Kulturbewegung fördert, bietet das Institut Cultura21 e.V. Raum für die inhaltliche Arbeit (Forschung, Projekte, Weiterbildung).

Hintergrund

Im 21. Jahrhundert steht die Menschheit vor gewaltigen existenziellen Herausforderungen. Abnahme der biologischen Vielfalt, Zunahme der Weltbevölkerung, Klimawandel, Armut, Demokraturen und Aufrüstung sind Aspekte einer globalen Krise, die immer deutlicher in Erscheinung tritt und seit langem große Opfer fordert.

Lösungsansätze

Dass sich die meisten Indikatoren dieser Krise weiter verschärfen, deutet nicht nur auf ihre strukturellen Ursachen hin: Es sind auch die bisherigen Lösungsansätze, die mangelhaft, unzureichend oder gar Teil des Problems sind.
Der dominante Lösungsansatz für soziale Probleme reduziert sich auf die Forderung nach Wirtschaftswachstum, sozialer Kontrolle und militärischer Sicherheit. Der dominante Lösungsansatz für ökologische Probleme beschränkt sich auf die Forderung nach neuen Technologien. In beiden Fällen gilt grundsätzlich die Parole »Weiter so« — solange die sozialen Grenzen der Gesellschaft und die biophysischen Grenzen des Planeten nicht erreicht sind. Dann wird es aber zu spät sein. Viele Menschen zahlen bereits heute einen hohen Preis für diese Politik und für dieses Wirtschaftsmodell.

Die globale Krise ist auch eine kulturelle Krise

Sie hat kulturelle Ursachen und Auswirkungen, wie zum Beispiel eine verbreitete Wachstumsideologie oder die Zerstörung von einheimischen Kulturen.
In den letzten Jahrhunderten wurde nicht nur die Natur, sondern auch die Medien, die Bildung, die Wissenschaft, die Künste und letztendlich die Menschen selbst mehr und mehr der Bürokratie oder dem Markt funktionalisiert. Sie sind nicht mehr so unabhängig und frei. Dadurch werden die kulturelle Dynamik, die kritische Selbstreflexion und die Kreativität sowie die Möglichkeit der Selbstverwirklichung gebremst und gehemmt.

Umfassender Kulturbegriff gefordert

Die heutige Entwicklung ist auch durch sozioökonomische Polarisierung, Differenzierung und Spezialisierung gekennzeichnet. Die Frage der Integration und der Kohäsion sowie nach dem »Sinn des Ganzen« bleiben auf der Strecke. Deshalb brauchen wir einen umfassenden Kulturbegriff, der die existenzielle und integrative Bedeutung der Kultur unterstreicht.

Kulturbegriff

Unter Kultur fasst Cultura21 die sieben prioritären Arbeitsfelder der UNESCO zusammen:

  1. kulturelle und sprachliche Vielfalt
  2. Erziehung
  3. Wissenschaft
  4. Künste
  5. Kommunikation und Medien
  6. Sozialwissenschaften und (nachhaltige) Entwicklung
  7. Frieden und Menschenrechte

Hinzu kommt bei Cultura21 ein anthropologischer und semiotischer Kulturbegriff. Kultur ist die Basis, auf der jeder von uns täglich Entscheidungen trifft. Jede Kultur stellt sowohl eine Interpretation als auch ein Projekt von Gesellschaft dar, das durch Handeln und Techniken umgesetzt wird. Modelle der gesellschaftlichen Entwicklung (z.B. die Globalisierung und ihre Alternativen) müssen daher zuvorderst als »kulturelle Programme« verstanden werden.

Für Cultura21 ist Kultur eine Art gesellschaftliche DNS und RNS. Die kulturelle Vielfalt ist für die Existenz der Gesellschaft so wichtig wie die biologische Vielfalt für das Gleichgewicht eines Ökosystems. Wie die Vermischung der DNS eine biologische Art stärkt, so erhöhen die intra- und interkulturelle Kommunikation die Krisenresistenz einer Gesellschaft. Ohne eine kulturelle Evolution werden wir die globale Umweltkrise nicht in einer friedlichen und gerechten Weise überwinden können.

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